7. Juni bis 28. Juli 2013 - Ausstellung im Schlösschen
Auf den Spuren der Hussiten
1415 wurde der tschechische Reformator Jan Hus als Ketzer hingerichtet. Unter seinem Namen entbrannte in Böhmen eine Revolution, die in Kriege mündete. Sie traumatisierte ganze Epochen und viele Nachbarländer, prägte aber auch mit sozialen Ideen den Vorabend der Neuzeit. Die Ausstellung motiviert, der Hussitenzeit und ihren Folgen auf Exkursen durch Geschichte, Regionen und Kulturtraditionen nachzuspüren. Exponate, Filme und Animationen bieten intensive Einblicke für jeden, der sich für unsere Wurzeln interessiert. Autoren aus drei Ländern erstellten diese Aufarbeitung eines schwierigen Kapitels der Nachbarschaftsgeschichte.
Die dänische Malerei des "goldenen Zeitalters" und der darauf folgenden Jahrzehnte bis zu den "Skagensmalern" ist ein spannendes und bisher in unseren Breiten wenig beachtetes Kapitel der europäischen Kunstgeschichte. Der Privatsammler Wolfgang Lührs, Naumburg, hat mit Geduld und Spürsinn eine umfangreiche Sammlung dänischer Gemälde zusammengetragen, die einen schönen Überblick über die Entwicklung der Malerei jener Zeit in unserem nördlichen Nachbarland bietet.
Die Sammlung, die zwischenzeitlich beim Museum Altona eingelagert war, wurde bereits in Hamburg, Stade, Rostock und im dänischen Viborg gezeigt. Das Stadtmuseum Naumburg hat ca. 70 Gemälde ausgewählt, die vom 6. April bis 2. Juni in der Galerie im Schlösschen ausgestellt werden.
Die Ausstellung wurde am 6. April durch den Naumburger Oberbürgermeister Bernward Küper in Anwesenheit des dänischen Botschafters Per Poulsen-Hansen eröffnet.
Begleitpublikation zur Ausstellung:
Siegfried Wagner (Hg.): Dänische Malerei 1830-1910. Die Sammlung Lührs. Mit Beiträgen von Wolfgang Lührs, Kristin Gerth und Stefan Gregor. Stadtmuseum Naumburg, 2013. 110 Abbildungen, 112 Seiten, 7.00 Euro.
Galerie im Schlösschen, Markt 6, 06618 Naumburg Eintritt: 3,00 Euro (ermäßigt: 2,00 Euro; Kinder und Schüler: frei). Die Eintrittskarte gilt auch für das Stadtmuseum Hohe Lilie. Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag: 10-17 Uhr; Montag Ruhetag.
8.-23.12.12 Galerie im Schlösschen - Architekturwettbewerb
Entwürfe für die Kulturinsel
Galerie im Schlösschen, Markt 6, 06618 Naumburg 8.–23. Dezember 2013 | Mittwochs 14-17 Uhr; Samstag/Sonntag 10-17 Uhr oder nach Vereinbarung
In der Galerie im Schlösschen sind ab 8. Dezember die Ergebnisse des jüngst von der Stadt Naumburg europaweit ausgeführten Architekturwettbewerbs zu sehen. Die dem Wettbewerb zugrunde liegende Aufgabenstellung hatte es dabei durchaus in sich. Von der ursprünglichen Absicht, der städtischen Bibliothek einfach nur ein neues Domizil zu errichten, war man schon seit längerem abgekommen. Seit Bibliothek, Archiv und Museum vor einigen Jahren verwaltungsmäßig zu einem Sachgebiet vereint wurden, verfolgte man auch das Ziel, diese Einrichtungen zukünftig in einem Gebäude zusammenzuführen. Die Vorteile dieses Vorgehens liegen auf der Hand: wo zur Zeit für Archiv, Bibliothek, Kinderbibliothek, Museumsverwaltung und (dies ist besonders dringlich) Magazine insgesamt sechs teils nur energetisch prekäre, teils desolate Liegenschaften unterhalten werden müssen, soll in Zukunft ein einziges, energetisch und funktional optimiertes Gebäude diese Funktionen übernehmen. Geringere Unterhaltskosten sind dabei nur eines der angestrebten Ziele. Die Zusammenführung der Einrichtungen soll auch Synergien freimachen, die es erlauben, mit dem notorisch geringen Personalschlüssel (der auch in Zukunft nicht erhöht werden wird) zusätzliche Angebote zu übernehmen. Die Bibliothek wird sich in Zukunft sicher von der Bücherausleihe wegbewegen zum Informationsmanagement, sie wird verstärkt Treffpunkt für jüngere und – angesichts der demographischen Entwicklung besonders wichtig – für ältere Mitbürger, wofür sie in viel höherem Maß als bisher eine gediegene Aufenthaltsqualität bieten muss. Auch Archiv und Museum werden ihre Sammlungen (darunter die bisher kaum zugängliche Bibliotheka Lepsiana) weiter öffnen können, werden interessierten Bürgern, Heimatforschern, Schülern und Wissenschaftlern die Möglichkeit geben, direkt mit historischen Schriftstücken und Objekten zu arbeiten – und zwar in einem Maße, wie dies bisher aufgrund der inadäquaten räumlichen Verhältnisse nicht möglich ist. Didaktische Angebote für alle Altersgruppen werden dabei helfen, die städtischen Sammlungen zu einem festen Baustein der demokratischen Kultur zu machen, in der jeder teilhaben kann an der Klärung der Frage nach dem eigenen woher und wohin.
Im großen Schlösschen am Markt werden die Ergebnisse des Architekturwettbewerbs “Naumburger Kulturinsel” gezeigt.
OB Küper und der Jury-Vorsitzende Prof. Niebergall übergeben die Urkunden für die Preisträger, hier das Büro RKW Rhode Kellermann Wawrosky aus Leipzig.
Den Wettbewerbteilnehmern war diese Zielstellung wohl bewusst, doch wurde die Aufgabe noch etwas kniffliger durch die Beschaffenheit der zu bebauenden Liegenschaft. Obwohl etliche Alternativen geprüft worden waren, hatten sich Verwaltung und Gemeinderat auf das brachliegende Grundstück am Reußenplatz 6/7 geeinigt, erweitert durch das imposante barocke Bestandgebäude Nr. 6 und das genauso malerische wie ruinöse Fachwerkhaus Nr. 9. Beide historischen Bauten sollen in den Komplex integriert werden, wobei ihr Denkmalcharakter nicht beeinträchtigt werden darf – eine Aufgabe, die den teilnehmenden Büros einiges an Kopfzerbrechen bereiten musste, denn allein die unterschiedlichen Geschosshöhen der Altbauten, die heutigen Anforderungen natürlich nicht entsprechen, verlangten den Planern viel Erfindungsgabe ab.
Was sich den Mitgliedern der Jury am 9. November an Entwürfen präsentierte, zeigte denn auch, dass sich die meisten Büros intensiv mit der Aufgabenstellung auseinandergesetzt hatten und entsprechend positiv überrascht zeigten sich insbesondere die Sachpreisrichter (also der Naumburger OB, die Mitarbeiter der städtischen Sammlungen, die Vertreter der Naumburger Bürgerschaft) über die Vielfalt und die Qualität der vorgeschlagenen Lösungen.
Allerdings vermochte keiner der Entwürfe zu 100% zu überzeugen, was zum erheblichen Teil daran lag, dass sich insbesondere die Naumburger Preisrichter – aber zu deren Erleichterung durchaus auch die als Fachpreisrichter agierenden Architekten und Ingenieure – mit vielen Fassadenlösungen nicht abfinden konnten, die ihnen zu sprachlos und zu modisch-austauschbar erschienen und vielfach die Befürchtung erweckten, sie könnten schon zum Zeitpunkt, wenn das Geld für den Bau endlich akquiriert ist, hoffnungslos out of Fashion sein. (Die zur Zeit als mega-hip betrachteten erratisch verteilten Fenster wird man hoffentlich schon bald zu den architektonischen Irrwegen zählen - so der zugegeben unqualifizierte Wunsch eines Sachpreisrichters).
Die Jury unter der Leitung des Vorsitzenden der Architektenkammer Sachsen-Anhalt Prof. Ralf Niebergall entschied sich daher dafür, keinen ersten Preis, dafür aber zwei zweite Preise zu verleihen, dazu einen fast ebenso starken dritten Preis zu vergeben und eine Arbeit mit einer Anerkennung zu versehen. Zweite Preise erhielten das Büro RKW Rhode Kellermann Wawrowsky, Leipzig und Thomas Müller, Ivan Reimann Gesellschaft von Architekten mbH, Berlin. Der dritte Preis ging an Bruno Fioretti Marquez Architekten, Berlin / Atelier für Architektur & Denkmalpflege, Köthen. Mit einer Anerkennung wurde das Büro Weis & Volkmann, Leipzig, bedacht.
Die drei Preisträger wurden gebeten, ihre Entwürfe anhand von Anregungen der Jury noch einmal zu überarbeiten, so dass dann im Februar 2013 anhand der modifizierten Entwürfe eine endgültige Entscheidung darüber gefällt werden kann, welcher Entwurf ausgeführt werden soll.
In der Zwischenzeit bietet sich Gelegenheit, alle Entwürfe nebst den Modellen eingehend zu studieren – für jeden, der sich für Architektur im Allgemeinen, für das Bauen in historischer Umgebung im speziellen interessiert, ein äußerst reizvolles Angebot.
"Kalotypien aus Ägypten. Ein Fotosammler auf den Spuren Richard Lepsius"
Lichtbildvortrag anlässlich der Sonderausstellung "Von Naumburg bis zum Blauen Nil. Die Lepsius-Expedition nach Ägypten und Nubien" Vortragsraum der Galerie im Schlösschen, Markt 6, Naumburg Dienstag, 20. November 2012 um 18:15 Uhr Eintritt: 2,50 Euro
Am 20. November 2012 um 18:15 Uhr referiert die Kunsthistorikerin und stellvertretende Kustodin der Universität Jena Dr. Babett Forster in ihrem Vortrag „Kalotypien aus Ägypten. Ein Fotosammler auf den Spuren Richard Lepsius“ über den sächsischen Forschungs-reisenden Alphons Stübel und dessen Konvolut an Kalotypien, die er auf seinen Reisen durch den Orient 1858, 1882 und 1890 zusammentrug. Der Geologe und Lateinamerikaforscher, der seine erste Ägyptenreise 1856-58 unternahm, gilt als einer der bedeutendsten Sammler früher Orientfotographien. Seine ungefähr 500 großformatigen Originalabzüge stammen von reisenden Fotografen oder von ortsansässigen Fotostudios aus Konstantinopel, Beirut, Kairo, Alexandria und Port Said aus der Zeit zwischen 1850 und 1890. Frau Dr. Forster präsentiert einen exklusiven Einblick in die orientalische Welt des 19. Jahrhunderts, in der Lepsius und die übrigen Expeditionsteilnehmer drei Jahre lang lebten und arbeiteten. Stübels Kalotypien des 19. Jahrhunderts aus der Zeit vor Rollfilm und Massenfotographie sind nicht nur wichtige, bislang wenig genutzte Dokumente für die Architektur, Sozial- und Kunstgeschichte des Orients, sondern erlauben einen frischen Blick auf eine längst untergegangene Zeit, noch vor oder gerade am Beginn der umwälzenden Veränderungen in den Ländern des Vorderen Orients. Ein stimmungsvoller Rahmen für die Sonderausstellung „Von Naumburg bis zum Blauen Nil. Die Lepsius-Expedition nach Ägypten und Nubien“, die das Stadtmuseum Naumburg in der Galerie im Schlösschen am Markt vom 15.09.-25.11.2012 zeigt.
6. November 2012: Dokumentarfilm zu Johannes Lepsius
„Asche und Phoenix: Johannes Lepsius – Schutzengel der Armenier“
Dokumentarfilm von Merlyn Solakhan und Manfred Blank anlässlich der Sonderausstellung "Von Naumburg bis zum Blauen Nil. Die Lepsius-Expedition nach Ägypten und Nubien"
Vortragsraum der Galerie im Schlösschen, Markt 6, 06618 Naumburg
Dienstag, 6. November 2012 um 18:15 Uhr
Eintritt: 2,50 Euro
Die Dokumentation von Merlyn Solakhan und Manfred Blank beleuchtet das Verhältnis zwischen dem jüngsten Sohn des Ägyptologen Karl Richard Lepsius und den christlichen Armeniern im Osmanischen Reich. Der evangelische Theologe, Orientalist und Gründer des „Armenischen Hilfswerk“ sowie der „Deutsch-Armenischen Gesellschaft“ gilt als Patron der von den Osmanen Anfang des 20. Jahrhundert verfolgten christlich-armenischen Minderheit. Zeit seines Lebens setzte er sich gegen ihre Verfolgung ein und dokumen-tierte ihre Situation in zahlreichen kritischen Publikationen. Der Film begibt sich auf die Spuren der Vergangenheit, indem er u.a. der Route der Todesmärsche der Armenier durch die Türkei und die Syrische Wüste folgt. Er beleuchtet aber auch die aktuelle Lage der Armenier in der heutigen Türkei.
Blickwechsel: Nubien und der ägyptische Sudan aus der Sicht des Reiseschriftstellers Hermann von Pückler-Muskau
Lichtbildvortrag anlässlich der Sonderausstellung "Von Naumburg bis zum Blauen Nil - Die Lepsius-Expedition nach Ägypten und Nubien"
Vortragsraum der Galerie im Schlösschen, Markt 6, 06618 Naumburg
Dienstag, 23. Oktober 2012 um 18:15 Uhr
Eintritt: 2,50 Euro
Der Offizier, Lebemann und Orientbegeisterte Hermann Fürst von Pückler-Muskau bereiste 1837 bis 1838, sechs Jahre vor C. R. Lepsius, Ägypten, Nubien und den ägyptischen Sudan. In ihrem Vortrag „Blickwechsel: Nubien und der ägyptische Sudan aus der Sicht des Reiseschriftstellers Hermann von Pückler-Muskau“ referiert die Berliner Ethnologin Frau Dr. Kerstin Volker-Saad über die persönlichen Verknüpfungen zwischen Pückler und Lepsius und zeichnet nach, wie deren Veröffentlichungen, gerade wegen ihrer unterschiedlichen Ansprüche, wertvolle Beiträge zur Erkundung Nubiens und des ägyptischen Sudans leisteten. Der Vortrag findet in der Galerie im Schlösschen am Markt in Naumburg als Begleitveranstaltung der dort vom 15.09. bis 25.11.2012 gezeigten Sonderausstellung „Von Naumburg bis zum Blauen Nil. - Die Lepsius-Expedition nach Ägypten und Nubien“ statt. Der Eingang zur Ausstellung befindet sich am Hinterhaus gegenüber der Wenzelskirche.
„Wer hier hundert Augen hätte ... – Georg Erbkams Reiseberichte aus Ägypten und Nubien“
Lichtbildvortrag im Rahmen der Sonderausstellung „Von Naumburg bis zum Blauen Nil – Die Lepsius-Expedition nach Ägypten und Nubien“ Galerie im Schlösschen, Markt 6, 06618 Naumburg Dienstag, 2. Oktober 2012 Beginn: 18:15 Uhr
Am 02. Oktober 2012 um 18.15 Uhr stellt die promovierte Ägyptologin und ehemalige wissenschaftliche Mitarbeiterin der Arbeitsgruppe Ägyptisches Wörterbuch an der Berlin-Branden-burgischen Akademie der Wissenschaften Dr. Elke Freier im Schlösschen ihr neues Buch über die Expeditionserlebnisse des Architekten und Feldmessers Georg Erbkam vor. Unter dem Titel „Wer hier hundert Augen hätte … – Georg Erbkams Reiseberichte aus Ägypten und Nubien“ fasst Elke Freier kuriose, merkwürdige, abenteuerliche, banale wie intime Zeugnisse des „zweiten Manns“ nach Richard Lepsius zusammen, die einen spannenden Einblick in die staubige und anstrengende Arbeit der Expeditionsteil-nehmer während ihrer Forschungsreise in Ägypten und dem heutigen Sudan (1842-1845) gewähren. In den letzten Jahren studierte die Expeditionsexpertin intensiv die Tagebücher und Briefe von Richard Lepsius und Georg Erbkam. Ihre Forschungs-ergebnisse präsentiert sie nun in ihrem Vortrag, der einen Blick hinter die Kulissen der streng organisierten Expedition gestattet. Begleitet wird die Lesung von der Ägyptologin Dr. Franziska Naether, die, wie Elke Freier, die Ausstellung im Schlösschen wissenschaftlich unterstützte. Im Anschluss an die Lesung wird die Gelegenheit zur Diskussion mit den Vortragenden geboten. Ein stimmungsvoller Rahmen für die derzeitige Sonderausstellung die das Stadtmuseum Naumburg noch bis zum 25. November 2012 zeigt.
Gut 130 Gäste waren anwesend, als am Samstagnachmittag, um 17 Uhr, die Lepsius-Ausstellung im Schlösschen am Naumburger Markt durch den stellvertretenden Oberbürgermeister der Stadt Naumburg, Gerd Förster, eröffnet wurde. Winfried Schubert, Präsident des Oberlandesgerichts und des Landesverfassungsgerichts und Vorsitzender der Naumburger Lepsius-Gesellschaft, umschrieb in seiner ebenso launigen wie von profunden Kenntnissen zeugenden Rede den Rahmen, in dem sich die Beschäftigung mit einem Mann wie Lepsius heute in seiner Heimatstadt bewegen kann - und muss. Nachdem der Museumsleiter auf Anlass und Absicht der Ausstellung hingewiesen und Frau Dr. Naether aus Leipzig noch einmal kurz den Beitrag skizziert hatte, den Sie und ihre Studenten für die Erstellung einer Broschüre (noch im Druck!) geleistet haben, stellte Helmar Heyken aus Hamburg seinen Teil der Ausstellung etwas genauer vor: eine abenteuerliche Reise durch den Sudan auf den Spuren der preußischen Expedition. Tinka Bechert, Künstlerin aus Irland und Ururenkeln des Ägyptologen, umschrieb in kurzen Worten ihre Installation "Trinangulations", die in einem Nebenraum der Ausstellung (dem sog. "Amsdorf-Schlösschen") zu sehen ist. Anschließend stellten sich die Anwesenden den Fragen der Gäste, was diese ausführlich nutzten. Soweit es sich feststellen ließ, wurde der Nachmittag von den meisten Besuchern als gelungen angesehen und man wünschte der Ausstellung viele Besucher. (Was wir uns natürlich auch wünschen.)
Tinka Bechert, Künstlerin aus Irland und Ururenkelin des Ägyptologen Richard Lepsius hat zur Lepsius-Ausstellung "Von Naumburg bis zum Blauen Nil" des Stadtmuseums Naumburg eine Installation beigesteuert, die dem kulturgeschichtlichen Thema eine künstlerische Herangehensweise hinzufügt.
Das Projekt "Triangulierungen" ist ein umfangreiches Kunst- und Forschungsprojekt, in dem Tinka Bechert ihrem Ur-Ur-Grossvaters Karl Richard Lepsius und seiner Expedition von 1842-1845 nach Ägypten auf künstlerische Art nachgeht. Tinka Becherts Verknüpfungen von Zeitgenössischem, Persönlichem und historischen Zufälligkeiten beschäftigen sich auf andere Weise mit wissenschaftlichen Weltbildern.
Tinka Bechert ist 1975 in Berlin geboren und aufgewachsen. Sie lebt und arbeitet als freischaffende Künstlerin in Irland, sowie zeitweise in der Heimatstadt Berlin. Ihre Arbeiten sind in zahlreichen internationalen Sammlungen vertreten wie z.B. in der Staatsbibliothek zu Berlin, dem Victoria & Albert Museum und Tate Britain in London.
Nachdem wir im letzten Jahr in einer Reihe von Vorträgen Richard Lepsius, seine Biographie und seine Bedeutung für die Archäologie vorgestellt haben, wollen wir diesem Jahr, als Begleitprogramm zu unserer Ausstellung, etwas über den Tellerrand hinausschauen und andere Personen, die auf die eine oder andere Weise mit Lepsius in Beziehung stehen, in den Mittelpunkt der Betrachtung rücken.
Buchvorstellung: Dr. Elke Freier, Ägyptologin “Wer hier hundert Augen hätte…” - Georg Erbkams Reisebriefe aus Ägypten und Nubien Anschließendes Gespräch über das Buch mit Dr. Franziska Naether, Universität Leipzig
Dienstag, 02. Oktober 2012 – 18:15 Uhr
Georg Gustav Erbkam reiste als Architekt im Expeditionsteam von Richard Lepsius und wurde zum Bahnbrecher für die exakte Aufnahme von Architektur in ihrer Umwelt. Erbkam war während der Expedition der Stellvertreter von Lepsius’, besonders dann wenn dieser krankheitsbedingt ausfiel oder sich zur Organisation der Weiterreise in Kairo aufhielt. Die bisher unveröffentlichten Briefe gestatten einen ungefilterten Blick in die Innenwelt der Expedition, zeigen den arbeitsreichen wie abenteuerlichen Alltag,
Vortrag: Dr. Kerstin Volker-Saad, Ethnologin, Berlin Blickwechsel: Nubien und der ägyptische Sudan aus der Sicht des Reiseschriftstellers Hermann von Pückler-Muskau
Dienstag, 23. Oktober 2012 – 18:15 Uhr
Hermann Fürst von Pückler-Muskau bereiste 1837 bis 1838, sechs Jahre vor C. R. Lepsius, Ägypten, Nubien und den ägyptischen Sudan. Er war unterwegs als “Genussreisender”, der niemandem Rechenschaft schuldig war, außer seinem lesenden Publikum. Lepsius dagegen hatte einen königlichen Auftrag, die unzähligen Altertümer zu dokumentieren und wissenschaftlich zu bearbeiten. Der Vortrag zeigt die persönlichen Verknüpfungen zwischen Pückler und Lepsius und zeichnet nach, wie deren Veröffentlichungen, gerade wegen ihrer unterschiedlichen Ansprüche, wertvolle Beiträge zur Erkundung Nubiens und des ägyptischen Sudans leisteten.
Filmvorführung: Asche und Phoenix: Johannes Lepsius - Schutzengel der Armenier Ein Film von Merlyn Solakhan und Manfred Blank.
Dienstag, 6. November 2012 – 18:15 Uhr
Der deutsche Theologe Johannes Lepsius gründete das Armenische Hilfswerk und gilt als der “Schutzengel der Armenier”. Als im Jahre 1915 die Verfolgungen und Massaker der Türken an der armenischen Bevölkerung der Türkei in einen Völkermord umschlugen, reiste Lepsius in die Türkei, sammelte Zeugenaussagen und Dokumente und veröffentlichte schließlich in Deutschland die Dokumentation “Der Todesgang des armenischen Volkes”, die wenig später verboten wurde. Der Film begibt sich auf die Spuren der Vergangenheit, indem er u.a. der Route der Todesmärsche der Armenier durch die Türkei und die Syrische Wüste folgt. Er beleuchtet aber auch die aktuelle Lage der Armenier in der heutigen Türkei.
Bildvortrag: Dr. Babett Forster, Kunsthistorikerin, Jena Kalotypien aus Ägypten. Ein Fotosammler auf den Spuren von Richard Lepsius
Dienstag, 20. November 2012 – 18:15 Uhr
Der sächsische Forschungsreisende Alphons Stübel (1835-1904) unternahm seine erste Ägyptenreise 1856-58, die ihn bis nach Nubien führte. Als Reiselektüre diente ihm u.a. eine Ausgabe der Reisebriefe Karl Lepsius'. Einige Jahre später hörte Stübel bei ihm in Berlin Vorlesungen zur altägyptischen Kunst und Kultur. Bei diesem Aufenthalt hatte Stübel nun die Gelegenheit, über fünfzig hochwertige Kalotypien zu erwerben, die - so Stübel - “die erste vollständige Aufnahme der Monumente” darstellten. Zu diesen Aufnahmen gehörten Katalogtexte, geschrieben und editiert von Joseph Bonomi, die Stübel wortwörtlich zu den Fotografien kopierte. Ganz offentsichtlich erfüllte sich der Fotosammler hier sein Bedürfnis, das Gesehene (auf seiner ersten Reise) wiederzusehen und das in Berlin Gehörte (Vorlesungen) nachzulesen.
Finissage: Jenseits von Ägypten: Helmar Heyken führt durch die Ausstellung und erzählt von seinen Reisen durch Nubien.
Sonntag, 25.11.2012, 17:00 Uhr.
Der nubische Teil der Lepsius-Expedition ist weit weniger erforscht und öffentlich zugänglich als der ägyptische. Zwischen 2007 und 2011 reiste Herr Heyken mit verschiedenen Gruppen mehrmals auf den Spuren der Königlich Preußischen Expedition in den Sudan. Das umfangreiche dabei gewonnene Bildmaterial bildet den Kern des Sudanteils der Ausstellung. Am 25.11. geht es darüber hinaus auch um das heutige Reisen und Leben im Sudan.
Kinderaktionen in den Herbstferien (29.10.–02.11.2012) und auf Voranmeldung (Hieroglyphenschreiben, Malen mit der Camera Lucida etc.). Bei Interesse treten Sie bitte mit uns in Kontakt.
Die Lepsius-Expedition durch Ägypten und Nubien (1842-45)
- Vor 170 Jahren machte sich unter der Leitung des jungen Ägyptologen Richard Lepsius eine Expedition auf den Weg, die ägyptischen und nubischen Altertümer zu erkunden. Der Weg der abenteuerlichen Reise führte durch ganz Ägypten bis an die Ufer des Blauen Nils, vorbei an unzähligen antiken Stätten, die von Lepsius und den mitreisenden Zeichnern akribisch dokumentiert wurden. Als die Expeditionsteilnehmer nach drei Jahren zurückkehrten, hatten sie nicht nur eine Schiffsladung voller Fundstücke im Gepäck, sondern, wichtiger, einen großen Schatz von Zeichnungen und Plänen. Der in den Folgejahren von Lepsius unter dem Titel "Denkmaeler aus Aegypten und Aethiopien" publizierte Expeditionsbericht sollte zu einem der grundlegenden, bis heute unentbehrlichen Werke der Ägyptologie werden.
Unter den Expeditionsteilnehmern waren außer Richard Lepsius, dem Sohn des Naumburger Landrats, noch drei weitere Naumburger: die Zeichner Max und Ernst Weidenbach und der Formgießer Carl Franke. Grund genug für das Stadtmuseum Naumburg, der Expediton eine Ausstellung zu widmen, die am 15. September um 17:00 Uhr im "Schlösschen" am Markt eröffnet wird.
Viele Touristen kommen nach Naumburg nur um die Stifterfiguren zu sehen. Und viele von ihnen finden sich dann doch etwas enttäuscht, weil die Figuren nicht so groß sind, wie die Erwartung es wollte und weil die Figuren im Dom etwas erhöht stehen, so dass zwar die Eingebundenheit der Stifterfiguren in die großartige Architektur des Naumburger Westchores sinnlich erfahrbar wird, das erhoffte Nah-Erlebnis der Stifter aber nicht in dem Maße zustande kommt wie erhofft. Ein Besuch im Stadtmuseum Hohe Lilie kann hier wenigstens teilweise Abhilfe schaffen. Ein kompletter Satz farbig gefasster Abgüsse der Figuren wartet dort auf die Auge-in-Auge-Begegnung mit dem Besucher und erlaubt einen Blick aus kürzester Distanz. Das Studium der Kopien kann natürlich kein Ersatz sein für die Auseinandersetzung mit den Originalen, aber eine wunderbare Ergänzung ist es gewiss: der Perspektivenwechsel erlaubt ganz neue Einsichten.
Um die Stifterfiguren herum finder der Besucher zur Zeit ein Auswahl von Bildnissen gruppiert, die ganz beiläufig das sich stetig wandelnde Bild thematisieren, das sich der Mensch von sich und seinesgleichen macht.
28. April bis 8. Juli 2012 - Galerie im Schlösschen:
Ansichtssache.
Historische Blicke auf Naumburg & Bad Kösen.
- Auch wenn sich dem Historiker der Eindruck aufdrängt, dass erstaunlich wenige historische Darstellungen von Naumburg erhalten geblieben sind, so kommt doch einiges an alten Ansichten zusammen, wenn man eine Gesamtschau wagt. Das Stadtmuseum zeigt nun in seiner Ausstellung "Ansichtssache" erstmals fast den kompletten Bestand von gedruckten Stadtansichten, die sich in den Beständen des Stadtmuseums und des Stadtarchivs befinden. Über 100 Blätter mit Abbildungen von Naumburg und Bad Kösen, von Schulpforte, von Saaleck, der Rudelsburg und der Schönburg werden präsentiert, darunter einige, die bisher noch nie ausgestellt worden waren. Wer sich für die historische Entwicklung der genannten Orte interessiert, wird sich die Ausstellung nicht entgehen lassen dürfen.
Erstmals können die neuen Ausstellungsräume im "Schlösschen" (Markt 6) für eine solch umfangreiche Präsentation genutzt werden, die bisher in Naumburg aus Mangel an geeignetem Raum nicht möglich war.
Die Eintrittskarte für die Ausstellung gilt gleichzeitig für die "Hohe Lilie" (und umgekehrt).
- In kleinformatigen Arbeiten präsentiert die neunköpfige Künstlergruppe A+Az [Architektinnen und Architekten zeichnen] das Resultat ihrer zweimaligen Aufenthalte in Naumburg, die sie bewusst als Pleinair gestaltet haben, um sich mit dem bebauten Raum direkt und in natürlichem Umfeld auseinanderzusetzen. Dabei erschien die Stadt Naumburg mit ihrer einzigartigen historischen Bausubstanz und die sie umgebene reizvolle Landschaft für das Projekt von besonderem Interesse. Bereits 2009 hatte die Gruppe Kontakt zur Stadt aufgenommen und konnte in den zwei darauffolgenden Jahren jeweils eine Woche lang ihre Eindrücke vor Ort zu Papier bringen. Zusammengeführt hat die Architektengruppe, die sich dem traditionellen Freihandzeichnen verschrieben hat, das 1999 initiierte Projekt „Zeichnen auf dem Dom in Regensburg“, welches der Beginn für weitere kontinuierlich stattfindende Pleinairs mit anschließender Ausstellung war. Bei ihrer Entdeckungsreise in Naumburg wählten sie eine skizzenhafte, kleinformatige Zeichenform, sodass in kürzester Zeit mit schnellem Strich eine räumliche Vorstellung vermittelt werden kann. Auch die von ihnen ausgewählten Arbeitsmaterialien und –techniken wie Bleistift, Pastell und Aquarell unterstützen ihre Programmatik des schnellen und spontanen Zeichnens im urbanen Raum. Wie nun „mit anderen Augen“ die Stadt gesehen wird, zeigen die ausgestellten Architekturstudien, von denen einige Arbeiten von Schülern des Domgymnasiums stammen, die ebenso ihre Sicht auf Naumburg im Bild verarbeitet haben. So erwartet den Besucher ein interessantes und mitunter spannungsreiches Zusammenspiel, das täglich von 10 bis 17 Uhr im Stadtmuseum betrachtet werden kann.
Die ausgestellten Zeichnungen können erworben werden. Interessenten wenden sich bitte an unsere Kontaktadresse, wir vermitteln Sie weiter.
Die Gruppe A+Az:
Thomas Braun, Erzhausen Josef Held, Offenbach Georg Hofferberth, Höchst i. Odenwald Karl Johannes, Bad Vilbel Rainer Nippert, Glashütten Hans Pohl, Glashütten Wolfgang Reinhart, Bad König Heiner Roediger, Maintal-Dörnigheim Marleen Schwamborg, Heppenheim Manfred Sieber, Kronberg
Die Schüler des Domgymnasiums:
11. Klasse: Wenzel Hildebrandt, Marie Dorner, Tim Suske, Markus Rothe, Anna Ehrhardt, Lisa Kluge, Peter Maibaum, Victoria Böttner, Julia Sorge, Franziska Bauer, Louisa Goldstein, Sarah Schlapper, Eric Manig
7. Klasse: Claudia Braune, Rosemarie Gohlke, Tina Marcholewski, Carolin Weißelberg, Kevin Rudolph, Jakob Uhrich, Florian Thurow, Jasmin Hanke, Mona Urban, Nicolas Schwikal, Jennifer Barthel, Alexandra Borisch
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