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Erika Meumann, Neustrelitz

Kirschfest

Wir haben in der Humboldtstraße “neben”dem Krankenhaus gewohnt, allerdings war damals noch Feld und Kleingärten dazwischen. Die Straße war nur auf einer Seite bebaut, neben uns noch ein Mehrfamilienhaus, dann das Luisenhaus, ein Diakonie-Altersheim, dann Feld und eine Schultheiss-Niederlage, noch mit den schweren Pferdegespannen, dann wohl noch ein Elektrohäuschen. Auf der anderen Seite, Ecke Jägerstraße war ein Gasthof, den Namen weiß ich nicht mehr, aber ganz früher gab es einen Storch im Hof und nach dem Krieg fuhr die Kellnerin über die “grüne” Grenze nach Hamburg und besorgte Salzheringe. Der Gasthof war früher das einzige Haus auf der Seite, später kamen die Unteroffiziershäuser gegenüber dem Krankenhaus dazu, als Naumburg wieder Garnison wurde. Ich ging zuerst in die Marienschule, Fräulein Partsch war unsere Klassenlehrerin. Nach der 4. Klasse kam ich dann ins “Luisen-Oberlyzeum”. Gegenüber, hinter der Post, die erst später gebaut wurde, hatte Herr Warze (?) ein Papiergeschäft, wo wir nötige Dinge noch während der großen Pause besorgen konnten.

Wir trugen zum Kirschfest Kornblumenkränze von der Gärtnerei Verges, die Mittelschule hatte ganz grüne Kränze. Meine Besonderheit am Kirschfest war das Wecken am ersten Tag. Die Trommler und Pfeifer der Georgenschule, sie trugen schwarze Schülermützen (Domschüler blaue und Realschüler rote, glaube ich). Zu uns kam die Musik zum Schluss, denn nach dem Ständchen gab es Fischbrötchen und Brause in unserem Garten, die unser Mädchen und Tante Seidler, unsere Aufwartung, in einer kleinen Wanne vorbereitet hatten. Auf der Vogelwiese waren ja damals mehr Vereinszelte, wir gingen in das Zelt vom Heimatverein, wo immer das Schwert von Prokop, dem Hussitenführer aufgehängt war. Nach dem Umzug war auf dem Festplatz noch Holzvogelschießen, danach gab es ein großes Glas Brause.

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