Garderobenspiegel, 1976
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Inv.Nr.:SG
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Material:Polyurethanschaum | Spiegelglas | Stahl
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Dat.:1976
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Maße:H: 600, B: 600, T: 65 mm
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Ereignis:Hergestellt von VEB "Holz- und Kulturwaren" Naumburg, Außenstelle Freyburg | Hergestellt (entworfen) von Rudolf Horn, Halle
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Zugang:Schenkung
Obwohl seit reichlich zwanzig Jahren die DDR Geschichte ist, existiert sie doch noch in Form von Couchtischen, Wohnzimmerwänden oder Deckenlampen in vielen ostdeutschen Wohnungen weiter, insbesondere die "MDW-Schrankwand" ("Möbelprogramm Deutsche Werkstätten") in ihren verschiedenen Ausprägungen ist ihren ehemaligen Besitzern im Gedächtnis geblieben. Fast in jedem Wohn- oder Arbeitszimmer der DDR fand sie ihren Platz. Entwickelt wurde dieses leichte, funktionale und variantenreiche Möbelsystem von Rudolf Horn, auf dessen Entwurf auch unser Objekt des Monats August zurückgeht: ein Garderobenspiegel.
Bei diesem Garderobenspiegel handelt es sich um ein quadratisches Funktionsmöbel, welches mit Wandborden und Flurgarderobe kombiniert werden konnte und variabel einsetzbar war. Wie alle Teile der Serie ist auch der Spiegelträger in einem einzigen Stück massiv gegossen. Auf einer quadratische Grundplatte ist ein Wulst ausgeformt, der dem ebenfalls runden, durch Stahlstifte fixierten Spiegelglas einen haltenden Rahmen gibt.
Hergestellt wurde der Garderobenspiegel in einem Guss aus PUR (Polyurethan), einem Kunststoff oder Kunstharz, welches je nach Herstellung entweder hart und spröde oder weich und elastisch sein kann. In aufgeschäumter Form ist Polyurethan als harter Montageschaum oder als dauerelastischer Weichschaum (z. B. für Kinder- oder Sportschuhsohlen) bekannt.
Erstaunlicherweise ist die Möbelserie, in die der Spiegel gehört - in unserem Bestand finden sich auch noch passende Wandboards - ein Nebenprodukt der "Holz- und Kulturwarenherstellung". Sie stammen aus den frühen Honnecker-Jahren, als man versuchte, die Versorgung der Bevölkerung mit Konsumgütern dadurch zu verbessern, dass die großen Kombinate Nebenprodukte herstellten, die eigentlich nicht in ihr Produktspektrum gehörten. Da in der Freyburger Außenstelle des "VEB Holz- und Kulturwaren" Naumburg, wo vornehmlich Pantoletten (zunächst aus Holz, dann aus Kunststoff) hergestellt wurden, der Polyurethan-Schaum in großen Mengen für die Herstellung von Schuhsohlen Verwendung fand, lag es nahe, für das vorhandene Material eine neue Anwendung zu suchen. Dabei fiel die Wahl auf eine Sorte Möbel, die es in der DDR kaum gab: modische Kunststoffprodukte, die dem internationalen Stil der Zeit nahe kamen. Zu verdanken ist dies dem Umstand, dass man für die Gestaltung der Möbelserie mit Rudolf Horn aus Halle einen der wichtigsten "Formgestalter" der DDR heranzog, der eine dem Material entsprechende schlicht-geometrische Form fand, die noch durch das monochrom weiße oder rote Erscheinungsbild gesteigert wurde.
So gelungen Horns Entwurf auch war, wirtschaftlich brachte das Produkt erwartungsgemäß keinen Erfolg. Der Materialeinsatz war so hoch, dass der Verkaufspreis die Kosten nicht decken konnte, weshalb die Produktion dann auch schon nach kurzer Zeit wieder eingestellt werden musste.
Mehr Informationen über Rudolf Horn:
http://www.burg-halle.de/rudolfhorn
http://www.news.de/gesellschaft/855123905/der-wohnvisionaer-der-ddr/1/




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