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Das Naumburger Bürgerbuch (1342-1853)

Das Naumburger Bürgerbuch [Stadtarchiv Naumburg] verzeichnet die Naumburger Bürger im Zeitraum von 1342 bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts. Angelegt wurde das Buch um das Jahr 1600 von Sixtus Braun, der in seiner Vorrede ausführlich erklärte, warum er als langjähriger Syndicus und Bürgermeister der Stadt die Kärrnerarbeit auf sich genommen hatte, die Ratsakten zu durchforsten und nachträglich eine möglichst vollständige Bürgerliste anzufertigen. Braun kam anhand der damals (und bis heute) erhaltenen Ratsrechnungen bis ins Jahr 1342, für die Jahre davor waren (und sind) entsprechende Unterlagen nicht vorhanden.

Das Verzeichnis wurde zwar bis in die 1850er Jahre hinein geführt, da aber das Bürgerrecht in den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts seine alte Bedeutung zunehmend verlor, schwand auch die Zahl der Einwohner zusehends, die noch bereit waren, das städtische Bürgerrecht zu erwerben. Für diesen späten Zeitraum muss man also davon ausgehen, dass das Verzeichnis sehr unvollständig ist, aber auch die Einträge zu vorausgehenden Zeiträumen sind als keinesfalls vollzählig zu betrachten – auch früher arbeitete die Verwaltung keineswegs perfekt und selbst Sixtus Braun entging der eine oder andere Bürgergeld-Nachweis in den Ratsrechnungen. Familienforscher, die auf der Suche nach ihren Ahnen in Naumburg sind, müssen darüber hinaus berücksichtigen, dass im Bürgerbuch nur Bürger, also keineswegs alle Einwohner der Bürgerstadt (es fehlen die meisten Bürgersfrauen, die Knechte, Mägde, Gesellen, Tagelöhner, "die von Adel" etc.) und schon gar nicht die Bewohner ("Nachbarn") der Domfreiheit oder der verschiedenen Vorstädte verzeichnet sind.

Die erste moderne Abschrift des Bürgerbuches stammt von 1933/34. Sie wurde angefertigt von Friedrich Hoppe, dem zu jeder Zeit eifrigen Naumburger Heimatforscher, der damit – im Auftrag des übel beleumundeten Nazi-Oberbürgermeisters Friedrich Uebelhoer – einen Beitrag zur "Sippenforschung" und damit zur Anfertigung von "Ariernachweisen" leistete.
Hoppes Typoskript wurde noch in den 30er und 40er Jahren durch den Stadtarchivar Ernst Wölfer handschriftlich überarbeitet, da dieser Hoppes Vorarbeit als "leider sehr fehlerhaft" empfand. Wölfer verglich nicht nur die Abschrift am Original, er trug im Laufe der Jahre auch noch tausende von Namen und Anmerkungen in das Skript ein. Er hatte wohl beabsichtigt, seine Arbeiten irgendwann zu publizieren, doch ist es dazu nicht gekommen. 

Als wir im Jahr 1997 daran gingen, Hoppes Typoskript elektronisch zu erfassen, haben wir uns zunächst darauf beschränkt, wohl Wölfers Korrekturen der Abschrift zu berücksichtigen und einzuarbeiten, nicht aber seine zahlreichen Hinzufügungen.
Eine abermalige Überprüfung an der Handschrift fand seit dieser Erfassung nicht statt. Namentlich im Bereich der lateinischen Datumsangaben und lateinischer Berufsbezeichnungen sind noch offensichtliche (meist auch leicht zu identifizierende) Lesefehler zu finden, deren – aufwändige – Beseitigung auf einen Zeitpunkt verschoben werden muss, wo Zeit im Übermaß zur Verfügung steht.

Mittlerweile ist auch die Erfassung von Wölfers zusätzlichen Bürgerbuch-Notaten längst abgeschlossen, was den Umfang der Datenbank um etwa 30.000 Datensätze anwachsen ließ. Insbesondere die Frauen werden in diesem erweiterten Bestand wesentlich besser repräsentiert, als sie es in der ursprünglichen Bürgerliste sind. Diese erweiterte Datenbank-Version wird auch in näherer Zukunft nur in unserer stadtgeschichtlichen Ausstellung zur Verfügung stehen, wo sie über ein Computer-Terminal erschlossen wird.

An dieser Stelle schaffen wir zunächst einmal einen Zugang zu den mehr als 12.800 Datensätze des ursprünglichen Bürgerbuches. Jeder einzelne ist verlinkt mit einer digitalen Reproduktion der Handschrift [ein Digitalisat der Sicherheitsverfilmung], so dass alle Einträge am Original kontrolliert werden können. Sollten sich Lesefehler finden, wären wir natürlich dankbar, wenn uns diese mitgeteilt würden, damit sie eingearbeitet werden können [ja, das Internet ist ein interaktives Medium].

Trotz gewisser Einschränkungen ist das Bürgerbuch eine sehr wertvolle Quelle für die Personenforschung und wir hoffen, dass wir dem einen oder anderen Interessenten mit der Veröffentlichung unserer Datenbank, die in Zukunft auch noch etwas ausgefeiltere Suchfunktionen erhalten wird, die Forschungsarbeit wesentlich erleichtern können.



braun_cover02 Sixtus Braun war auch Autor der Naumburger "Annalen", die wir in einer neuen Ausgabe zum Kauf anbieten - ein unerschöpfliche Fundgrube zur Naumburger Geschichte des Spätmittelalters und der frühen Neuzeit.


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