Hausmänner
DerSeit Anfang des 15. Jahrhunderts gibt es Nachrichten von den "Hausmänner" genannten Türmern der Naumburger Stadtkirche St. Wenzel. Da der Turm schon damals nicht der Kirche, sondern der Stadtgemeinde gehörte, waren die Hausmänner immer im städtischen Dienst. Ihre Aufgabe war es, bei Tag und Nacht nach nahenden Feinden und nach Feuer Ausschau zu halten, das Uhrwerk zu beaufsichtigen und die Glocken zu läuten. Da es einem einzelnen Mann kaum möglich war, Tag und Nacht wachsam zu sein, wurden seit 1527 Beiwächter eingestellt, die den Türmer meistens während der Nacht vertraten.
Die Bezahlung der Hausmänner war jedoch immer so schlecht, daß diese auf Nebenerwerb - zumeist als Musikanten - angewiesen waren. Seit Anfang des 17. Jahrhunderts wurden Türmerordnungen erlassen, die die Aufgaben der Hausmänner näher bestimmten: Der Wächter hatte sich nachts alle Viertelstunden mit dem Horn zu melden, damit man feststellen konnte, ob er wirklich wache. Später wurde diese Kontrolle dahin ausgebaut, daß die Nachtwächter in der Stadt auf den Hornruf des Turmwächters antworten mußten und zwar mit sogenannten Schnurren.
Als eine moderne Wasserversorgung und verbesserte Feuerschutz- und Brandbekämpfungseinrichtungen die Hauptaufgabe des Türmers überflüssig macht, zögerte die Stadt nicht, die Türmerstelle zu streichen. Dies geschah im Jahr 1892. Seither wurde die Türmwohnung zu einem sehr günstigen Tarif vermietet mit der Auflage, daß die Bewohner die Turmuhr warten und die Schulglocke läuten sollten. Von der Kirche erhielten sie die Aufgabe übertragen, die Kirchenglocken zu läuten.



