Ofenplatte 1584
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Inv.Nr.:SG02912
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Material:Gusseisen
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Dat.:1584
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Maße:H: 720, B: 760 mm
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Ereignis:Hergestellt (entworfen) von Bernhard [W?]schmann
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Zugang:Ankauf um 1995
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iconclass73C864 die Parabeln Christi: der verlorene Sohn (Lukas 15:11-32)
Eine Gusseiserne Ofenplatte
Die Platte stammt nach Angaben des Verkäufers aus einem Bürgerhaus der Naumburger Innenstadt. Das Bildfeld zeigt Episoden aus dem Gleichnis des verlorenen Sohnes, wobei der Formschneider der Vorlage von Sebald Behams Kupferstich (um 1540) folgte. Über dem Bildfeld zieht sich ein zweizeiliges Spruchband über fast die ganze Plattenbreite (mit einem Verweis auf die zitierte Bibelstelle Lukas 15), im Bildfeld rechts unten hält eine Engel ein weiteres, kurzes, ebenfalls zweizeiliges Spruchband (darauf wohl der Name des Formenschneiders), am unteren Rand in großen, gotischen Ziffern die Jahreszahl "1584". Korrosionsschäden machen die Schrift teilweise unleserlich. Am unteren Plattenrand ein ca. 15. cm tiefer Riss.
Das Bildfeld zeigt im Vordergrund, den größten Teil der Fläche einnehmend, die Szene der Rückkehr des verlorenen Sohnes, wobei der Formschneider der Vorlage des Hans Sebald Beham im Bildaufbau weitgehend treu blieb, das Sandgussverfahren führte aber wohl zu einer deutlichen Vergröberung der Konturen. Auffallend ist die Darstellung der Person ganz rechts, die auf der Platte durch Kleidung und Degen herausgehoben ist, woraus man wohl schließen kann, dass damit der Bruder des verlorenen Sohnes gemeint ist. Im Hintergrund rechts zeigen sowohl Platte als auch Vorlage einen pflügenden Bauern, den man als Staffage-Figur betrachten kann. Da die Platte aber - hier im Gegensatz zu Behams Stich - eine weitere Szene aufweist, nämlich den Verlorenen Sohn bei den Schweinen rechts oben, muss man beide Szenen auf der Platte als synchrone Darstellungen der Vorgeschichte verstehen, womit eine für Ofenplatte durchaus typische Darstellungsweise aufgegriffen wird.
Unsere Ofenplatte stellt gleich in mehrfacher Hinsicht ein beredtes Zeugnis ihrer Zeit dar: Zum einen zeigt sie, wie weitreichend der Handel mit einem schweren und sperrigen Handelsgut wie gusseisernen Ofenplatten schon im 16. Jahrhundert organisiert war (die Produktionsstätte ist im hessischen Solms oder in der Eifel zu vermuten). Da die Platte aus einem Naumburger Renaissance-Bürgerhaus stammt, ist sie gleichzeitig ein Beleg für die gehobene Wohnkultur des Naumburger Bürgertums dieser Zeit. (Leider blieb von der ursprünglichen Farbfassung, die wir vermuten dürfen, nichts erhalten.) Sie ist aber mehr als das: Sie demonstriert auch, wie sehr die Ideen der Reformation ins Alltagsleben hinein gewirkt haben. Die Auseinandersetzung mit Bibeltexten - eigentlich erst möglich, seit volkssprachliche Bibelausgaben wohlfeil zur Verfügung standen - ist in der Reformationszeit allgegenwärtig und die Gleichnisse des Neuen Testaments spielen dabei eine zentrale Rolle. Das Gleichnis vom verlorenen Sohn, an dessen Ende ein großartiger Akt der unbedingten Vergebung steht, hat dabei ganz besondere Popularität erlangt, zahllose Bildbelege zeugen davon ebenso wie schriftliche Auslegungen in Predigttexten und Traktaten. Solche Ofenplatten bzw. die großen Öfen, die aus mehreren bunt bebilderten Platten bestanden, stellten eine "monumentale Form der Bilderbibel" dar, die nicht nur das Reformatorische Gedankengut "unters Volk" brachten, sondern auch die Bildwerke der Reformationskunst.
Inschriften
Auf dem oberen Spruchband: "VATTER ICH [HAB] GES[ÜNDI]GET IN DEN / [HIM]MEL VND [VOR DIR] LVCE 15 CAPIT[E]L". - Unteres Spruchband: "B[ERN?]HART / [W?]SCHMAN




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