Adventshäuschen
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Inv.Nr.:SG11907
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Material:Pappe | Transparentpapier
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Dat.:1926
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Maße:H: 213mm
B: 155mm -
Ereignis:hergestellt von: St. Johannis Druckerei in Lahr-Dillingen
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Zugang:Altbestand
Ein Adventskalenderhäuschen von 1926
Adventskalenderhäuschen bilden eine Sonderform der Adventskalender. Unser 21 cm hohes und 15 cm breites Exemplar besteht aus zwei Teilen mit je zwei braunen Hausfronten, die durch einen Faden und Papierklebeband zusammengehalten werden.
Alle vier Seiten des Häuschens sind bedruckt mit reich befensterten Fassadenansichten eines Wohnhauses . Vor den Häuserfronten befindet sich ein verschneiter Zaun. Vom Dach und den Bäumen hängen Eiszapfen. Jede Hausseite besitzt sieben Fenster mit jeweils zwei aufklappbaren grünen Fensterläden, über denen ein Giebel mit einer Szene aus der Weihnachtsgeschichte verziert ist.
Die Giebelfenster sind jeweils mit einem rosafarbenen Band geschmückt, das eine Zeile des bekannten Adventsliedes “Wie soll ich dich empfangen” von Paul Gerhardt von 1653 zitiert. Das erste Bild, überschrieben mit “Wie soll ich dich empfangen”, zeigt die Jungfrau Maria, der ein Engel ihre Schwangerschaft verkündet. Auch zwei wichtige christliche Symbole sind hier präsent: das rote Rosenbäumchen und die Lilie. Sie stehen für Maria und ihre Reinheit.
Auf dem nächsten Bild sind jene Schafhirten dargestellt, die durch die Engel erfahren, dass in ihrer Nähe der Heiland geboren sei. Wie auf dem Bild sichtbar, begeben sie sich umgehend zur Krippe, wo Maria und Joseph das Kind umsorgen. Die Hirten betrachten das Kleine mit Verwunderung und Staunen. Schließlich zeigt das letzte Bild die Ankunft der drei Könige aus dem Morgenland, die dem Jesuskind huldigen und es beschenken.
Hinter jedem der 28 Fenster verbirgt sich schließlich ein Bibelspruch auf einem Transparentpapier. Sobald die Kerze angezündet und der erste Fensterladen geöffnet sind, hebt sich die schwarze Frakturschrift deutlich auf dem roten Papier ab. Es handelt sich vor allem um Sprüche, die aus den Büchern Jesaja und Mose stammen, aber auch das Matthäusevangelium, das Buch Sacharja, die Psalmen, die Offenbarung sowie die Bücher Micha und Ezechiel werden zitiert. Dies verleiht dem Häuschen eine Bedeutungsschwere, die darauf schließen lässt, dass es vorrangig für ältere Kinder bzw. Erwachsene gedacht war. Auch die volkstümliche Darstellung der Szenen sowie seine dezente Farbigkeit sprechen dafür.
Auf den Unterschied zum heutigen Adventskalender weisen seine 28 Fenster bzw. Türchen hin. Der profane Kalender, der die Dezembertage bis zu Heiligabend zählt, hat lediglich 24 Türchen und man beginnt am 1. Dezember, ihn zu öffnen.
Der kirchliche Adventskalender beginnt dagegen am 1. Adventssonntag. Da der Advent zwischen dem 27. November und 3. Dezember beginnt, sind vier zusätzliche Fenster angebracht, um alle Tage abzudecken und um den Kalender immer wieder verwenden zu können. Die Nummerierung der Fenster befindet sich auf der Innenseite der Fensterläden.
Am Schlusstag dem 24. Dezember schließlich, wird die große Haustür geöffnet, hinter der sich das Jesuskind in der Krippe liegend verbirgt. Das Öffnen der großen Tür versinnbildlicht auch, dass die Familie den erscheinenden Heiland in das eigene Haus einlädt.
Das Kalenderhäuschen wurde seit 1926 als Objekt Nr. 7019 der St. Johannis Druckerei in Lahr-Dinglingen vertrieben, eine Druckerei (mit angeschlossenen Verlag), die seit 1869 bestand und eine beachtliche Tradition in der Herstellung und im Vertrieb von Erbauungsschriften und weihnachtlichen Festartikeln besaß. Das identische Adventshäuschen-Muster scheint auch (unter der selben Produktnummer 7019) von der Evangelischen Gesellschaft Stuttgart vertrieben worden zu sein. Beide Unternehmen sahen sich im Dienst der Inneren Mission, d. h. einer evangelischen Bewegung, deren Ziel es war, den gesellschaftlichen Problemen der modernen Industriegesellschaft durch die Rückbesinnung auf die christliche Moral zu begegnen. Die zu diesem Zweck verteilten Schriften – außer Bibeln waren das hauptsächlich erbauliche Traktate – gingen (und gehen noch heute) jährlich in die Millionen.
Das hier vorgestellte Adventshäuschen ist ein Beispiel für diese umfassende Überzeugungsarbeit, zeigt aber auch die Schwierigkeit dieser Art von Missionierung: Die äußere Gestaltung mag lieblich-kindgerecht sein, inhaltlich wendet sie sich jedoch vor allem an bereits Bekehrte. Die für die Kalender-Fenster ausgewählten Sprüche sind eher spröde (1: "Siehe ich stehe vor der Tür und klopfe an") und erfordern von demjenigen, der die Kalendertürchen öffnet (der Hausvater?) erheblichen katechetischen Eifer und Talent, wenn es gilt, der erwartungsfrohen Familie die tiefere Bedeutung der knappen Bibelzitate auszulegen.
Letzteres ist sicher auch ein Grund dafür, warum Adventshäuschen in dieser Form heute kaum noch in Gebrauch sind. Es gibt zwar noch entsprechende Bastelsets mit bunten Bildern und Bibelsprüchen zu kaufen, doch sind diese zumeist marktgängigeren Kalenderformen gewichen, die statt bedeutungsschwerer Sentenzen süße Schokolade enthalten.




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