Käthe-Kruse-Schaufensterpuppe "Renate"
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Inv.Nr.:BK 00792
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Material:Echthaar | Magnesit | Metalldraht | Baumwolle
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Dat.:1932
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Maße:H: 70 cm
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Ereignis:hergestellt von: Käthe-Kruse-Werkstätten, Bad Kösen | verwendet von: Kinderbekleidungs-Spezialgeschäft "Louis Dietrichs", Kassel
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Zugang:Schenkung Günter Dietrichs, Kassel
“Renate” ist eine Schaufensterpuppe mit einer besonderen Geschichte! Sie stammt aus der bekannten Käthe-Kruse-Puppenwerkstatt in Bad Kösen und ist das kleinste Modell der dort hergestellten Kinderfiguren. Im Jahre 2010 wurde “Renatchen”, wie ihr bisheriger Besitzer sie liebevoll bezeichnete, dem Stadtmuseum Naumburg übergeben und soll im Romanischen Haus Bad Kösen ihr neues Heim finden.
Die Firma Käthe Kruse, damals schon für ihre Kinderspielpuppen bekannt, war in den 1920er Jahren wiederholt in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten, da der Absatz hochpreisiger Spielwaren naturgemäß unter den Krisen des Jahrzehnts litt. Um sich ein zweites Standbein zu schaffen, war man gezwungen, die Produktpalette zu erweitern.
Zum Muttertag 1928 stellte man zwei Schaufensterfiguren in Kindergröße für das große Münchener Kaufhaus “Oberpollinger” her. Keine vergrößerten Spielpuppen, sondern lebensnahe Figuren sollten die Auslage schmücken - dies war der Anfang der Schaufensterpuppenproduktion in Kösen.
Das Besondere der Käthe-Kruse-Schaufensterfiguren war neben ihrem verstellbaren Kopf, ihrem freundlichen, typisch“kruseschen” Gesicht auch ihre neuartige Beweglichkeit: mit Hilfe eines Metallkugel-Skeletts, Mullbinden und Zellstoff wurde ein Körper geformt, der sich in verschiedene Positionen bringen ließ. Durch den biegsamen Draht konnten die Figuren eine natürliche Haltung der Arme und Beine einnehmen, wodurch lebensnahe Arrangements mit mehreren Puppen in den Schaufenstern erst möglich waren.
Renates Körper (Modell A) entsprach dem ersten von insgesamt drei hergestellten Modellen, die sich in Körpergröße und Beweglichkeit unterschieden. Da dieses Modell einem Baby nachempfunden ist, kann es nur sitzen bzw. liegen. Dabei konnte es entweder in festgenähter Sitzstellung oder mit lose baumelnden Beinchen jeweils in zwei verschiedenen Größen geliefert werden.
Auch der Kopf der Schaufensterpuppen ist eine Neuerung der Käthe-Kruse-Werkstätten: zum einen ist er mittels eines Metalldornes abnehmbar, zum anderen wurde erstmals Magnesit (eine zementähnliche Masse, die sich in Form drücken und bemalen ließ) als Grundstoff verwendet.
Auch die Perücken sind austauschbar. Sie machten die Puppen besonders interessant. Unser Renate-Exemplar trägt eine Perücke aus blondem Echthaar, bei der die Haare nicht so dicht sitzen wie bei den großen Schaufensterfiguren.
Das Gesicht ist – wie die Käthe-Kruse-Puppen – handbemalt: braune Augen und feine braune Wimpern sowie ein roter Mund und Nasenpunkte geben der Figur ein betont niedliches Aussehen.
Das Drahtskelett, das bis in die Finger- und Zehenspitzen ausgeformt wurde, ist mit fleischfarbenem, lichtechtem Trikot überzogen. Auf diese Weise konnte jeder Finger bewegt werden, wobei die Puppe sogar Dinge festhalten konnte. Die Extremitäten waren locker angenäht und der Po ausmodelliert.
Die Vorteile dieser Art der Schaufensterpuppen lag auf der Hand: die Gesichter waren abwaschbar, der Körper leicht abzureiben, die Haarfarbe und Frisur konnten durch das Auswechseln der Köpfe bzw. Perücken verändert werden. Dies verändert auch die Gestaltung der Schaufenster: Nachgestellte Szenen prägten von nun an die Auslagen der Kaufhäuser und Bekleidungsgeschäfte für Jahrzehnte.
Dem Wunsch nach Veränderbarkeit der Figuren trug die Firma Käthe Kruse Rechnung, indem sie mehr als 90 verschiedene Varianten des Kopfes der Schaufensterfiguren in Kindergröße anbot, wobei es nur 30 verschiedene Kopfformen gab. Bis auf “Friedebald” wurden sie alle von Sofie Kruse modelliert, die gern ihre jüngeren Geschwister und Freunde als Vorlage nahm. Daher ist anzunehmen, dass auch “Renate” ein familiäres Vorbild hatte.
Die Entstehungszeit der Figur ist nicht mehr exakt zu bestimmen. Käthe Kruse lernte den Besitzer des Kasseler Kinderbekleidungsgeschäftes “Louis Dietrichs” auf einer Leipziger Messe Anfang der 1930er Jahre kennen. Bereits 1932 wurden die ersten Schaufensterpuppen geliefert und im Kinderbekleidungs-Spezialgeschäft “Louis Dietrichs” aufgestellt. Bei der Montage und der aufwändigen Dekoration des Schaufensters war Käthe Kruse sogar selbst anwesend. Günter Dietrichs, damals noch ein Kind, erinnerte sich, dass Käthe Kruse mit ihren Schaufensterpuppen sprach und einen “familiären” Umgangston pflegte.
Da das Metallskelett erst ab 1933 beim Bau der Schaufensterfiguren verwendet wurde, ist davon auszugehen, dass “Renatchen” eine dieser frühen Puppen ist. Als weiterer Hinweis darauf kann gelten, dass sich keine eingravierte Körpergröße feststellen lässt, weder auf dem Kopfdorn noch auf der Halsschale. Lediglich eine mit Bleistift geschriebene Notiz “Guka” ist erkennbar.
Auf das fortgeschrittene Alter der Puppe weisen zudem die sichtbaren Krakelee-Schäden des Kopfes hin. Diese entstehen bei starken Klimaschwankungen, etwa wenn sich durch Feuchtigkeit oder Hitze das Magnesit ausdehnt bzw. zusammenzieht, sich aber die Bemalung dem weniger stark anpassen kann.
Doch nicht nur das “Renatchen”, auch das bekannte “Träumerchen” und andere große und kleine Figuren dienten zur ansprechenden Präsentation der Kindermode bei Dietrichs in Kassel über viele Jahre hinweg, so wie auch die Freundschaft zwischen dem Geschäftsinhaber Louis Dietrich zu Käthe Kruse über die Jahre bestehen blieb. Dies bezeugen neben privater Korrespondenz auch die zahlreichen anderen Kruse-Schaufensterpuppen, die das beliebte Kasseler Bekleidungsgeschäft bis in die 1960er Jahre hinein verwandte.




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