Schachspiel
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Inv.Nr.:SG02231
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Material:Ebenholz | Buchsbaumholz
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Dat.:1850, um
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Maße:H: 50 bis 108 mm D: 27mm
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Ereignis:Hergestellt (gedrechselt) von Johann Friedrich Laue, Naumburg
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Zugang:Schenkung Ernst Laue, 1928
Schachfiguren
Schachspiel (Naumburg),: verziert mit flachen Scheiben und gezackten, durchbrochenen, umlaufenden Balustraden; die Türme sind mit Kreuz und Wendeltreppe versehen; Könige mit Königkronen; die Bauernfiguren deutlich kleiner als die Strategiefiguren.
Die Figuren sind ein schönes Beispiel filigraner Drechslerei, wie Sie im 19. Jahrhundert in Blüte stand. Über ihre Entstehung berichtete sein Sohn bei der Übergabe der Figuren an das damalige Heimatmuseum:
"Drechslermeister Johann Friedrich Laue, geb. zu Naumburg a. S. am 17. Februar 1830, gest. am 29. Sept 1905 hat beigefügtes Schachspiel als sein Meisterstück Anfang der 50er Jahre gefertigt und zwar nach Feierabend unter Aufsicht von Innungsmeistern. Das Werkzeug zur Herstellung des Schachspiels hat er sich selbst angefertigt und nach getaner Vollendung desselben vernichtet. Alle Figuren sind aus einem Stück gedreht - ohne Zuhilfenahme von Maaß und Zirkeln, also nach Augenmaaß. Die Arbeitslampen bestanden damals aus Rübölbeleuchtung, die an die Augen, hauptsächlich beim Drehen schwarzer Gegenstände, große Anforderung stellten. Die Figuren sind aus echten Ebenholz und Buchsbaumholz gedreht. Eine der allerschwersten Arbeiten an den Figuren war die Bohrung der vielen Löcher die haarscharf nebeneinander laufen, versagte einmal der Bohrer so war die Figur hin und nicht zu verwerten. Die Beschaffenheit der Drehbänke in den 50er Jahren können sich mit den heutigen in Bauart nicht vergleichen sie waren seinerzeit sehr primitv gebaut, umsomehr die Leistung auf ersterer. Leider haben unbefugte Hände beim Besehen des Schachspiels (d.h. in späteren Jahren) einige Figuren in unverantwortlicher Weise zerbrochen. (Heute nur notdürftig zusammengehalten) da sich bis jetzt noch keine Hand angeboten hat bzw gefunden trotz vieler Fragen und Suchens die fragl. Figuren zu reparieren muß man sich mit den zerbrochenen bescheiden.
Auf der [[weltausstellung|Londoner Ausstellung] wurde zu Zeiten das Schachspiel mit goldener Medaille für solch phänomenale Leistung der Drehkunst ausgezeichnet. Diplom und Medaille sind leider abhanden gekommen. | Kaiser Friedr. [sic!] vorm. Kronprinz v. Preußen hat sich damals, als er in London weilte, sehr um das Schachspiel geworben, bedauerlicher Weise [ist er] aber vom Hersteller abgewiesen worden. | Ich als sein Sohn bestätige obige Aussagen meines verstorbenen Vaters.
Nbg. a/S. 15. Febr. [19]28. [gez.]
Ernst Laue."
Selbst wenn man einen Teil der Darstellung als Wandersagenmotive betrachten möchte (die Weltausstellungsmedaille, der König, das vernichtete Handwerkszeug...), so bleibt die Herstellung der Figuren dennoch objektiv eine Meisterleistung und ein Hinweis darauf, auf welch erstaunlichem Niveau sich kleinstädtisches Handwerk bewegen konnte.
Leider hat sich der Zustand des Spieles, den ja schon Ernst Laue beklagte, nach der Einlieferung ins städtische Museum nicht verbessert. Die Schäden durch "unbefugte Hände" nahmen sogar noch zu. Dies war die direkte Folge der Einflussnahme von Lokalpolitikern, die hin und wieder darauf drangen, dass das Spiel verliehen und bei Schachveranstaltungen herumgereicht wurde, so dass heute nur noch 12 schwarze und 14 weiße Figuren als weitgehend unversehrt gelten können.




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