Gipsabformung der Gerburg
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Inv.Nr.:SG12565
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Material:Gips, gefasst
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Dat.:1975
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Maße:H: 188 cm
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Ereignis:Hergerstellt von der Gipsformerei der Staatlichen Museen Berlin
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Zugang:Geschenk 1999
Vom Westchor in den Amtsflur
Im Jahr 1952 wurde in Westberlin das "Haus der ostdeutschen Heimat" errichtet, das 1974 in "Deutschlandhaus" umbenannt wurde und dessen Auftrag von da an in der "Erhaltung und Pflege ostdeutschen Kulturgutes" und der "Vermittlung aller kulturellen Werte deutscher Siedlungsgebiete außerhalb des Grundgesetzes" bestand. "Neben kulturellen Veranstaltungen für jung und alt", so war im Ostpreußenblatt vom 28. Juni 1975 zu lesen (→), "beherbergt das Haus an der Stresemannstraße eine Dauerausstellung mit Zeugnissen aus 800 Jahren deutscher Geschichte. Wertvolle Leihgaben aus der Stiftung Preußischer Kulturbesitz und anderen Berliner Museen, Fotografien und Dokumente wurden zusammengefaßt, um Aspekte deutscher Kultur darzustellen", wobei der Schwerpunkt der Ausstellung auf Objekten bestand, die aus dem Land hinter dem eisernen Vorhang stammten. "Als die wohl seltensten Stücke der Ausstellung", so der Bericht weiter, kann man die sechs Gipsnachbildungen der zwölf Naumburger Stifterfiguren erachten. Seit Jahrzehnten werden sie zum erstenmal wieder auf einer Ausstellung gezeigt."
Fast 25 Jahre lang blieben die Naumburger Stifterfiguren von da an als Kulturdarsteller auf den trostlosen Fluren des Deutschlandhauses stehen und gemahnten an die "Ostzone" und die verlorenen "Ostgebiete", bis die Einrichtung 1999 schließlich und endlich aufgelöst wurde und die Figuren als eigenwertige historische Zeugnisse vom Stadtmuseum Naumburg übernommen werden konnten.
Die Gipsabgüsse der Naumburger Stifterfiguren sind 1975 von der Gipsformerei Berlin für die Ausstellung im Deutschlandhaus angefertigt worden. Die ursprünglichen Abformungen waren allerdings schon Anfang des Jahrhunderts entstanden, als Kaiser Wilhelm II dem im Entstehen begriffenen „Germanic Museum“ (später Busch-Reisinger-Museum) der Universität Harvard eine ganze Sammlung von Gipsabgüssen der wichtigsten „deutschen“ Monumente schenkte (1903), darunter eine Nachbildung des Naumburger Westlettners und den kompletten Satz der Stifterfiguren. Schon damals waren die Repliken als Botschafter vermeintlich urdeutscher Kultur (im Gegensatz zur westeuropäisch-amerikanischen Zivilisation) verschickt worden. Die Stifter verblieben damit im Kontext der "Memorialkultur", nur hatte sich seit dem Mittelalter das Leitparadigma vom religiös-dynastischen zum politisch-hegemonialen verschoben.




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