Zugänge im August 2012.
- Der Sommer brachte einige interessante Neuzugänge ins Museum. Vier davon wollen wir hier vorstellen, weil Sie besonders wertvoll sind.
1. Der Nachlass des Möbelfabrikanten Johann August Kühn
Margarete Bielert, eine ehemalige Naumburgerin, die seit den 1960er Jahren verheiratet in Berlin und jetzt in Potsdam lebt, ist eine Nachfahrin der Naumburger Möbelfabrikantenfamilie Kühn. Das Geschäft der Kühns am Stephansplatz war in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts das vornehmste Möbelhaus am Platz, dessen Produkte den Großteil der noblen Villen des Bürgergartenviertels ausstaffierten. Margarete Kühns Vater Werner Kühn hatte das Geschäft von seinem Vater Gustav Kühn übernommen, nachdem er zunächst in München an der Gewerbeschule und dann (bis 1927) in Dresden an der Staatlichen Akademie für Kunstgewerbe eine künstlerische Ausbildung erhalten hatte. Mit seinem Eintritt in die Firma warf Werner Kühn den historistischen Ballast, der die Produkte seines Vaters noch gekennzeichnet hatte, über Bord und setzte konsequent auf die modernen Formen, die er in München und Dresden kennengelernt hatte. Auch als der Betrieb zu DDR-Zeiten verstaatlicht worden war, arbeitete Kühn weiter als Möbelgestalter und entwickelte weiterhin Einzelanfertigungen im Stil der Zeit für diejenigen, die sich mit den Typenmöbeln der Kombinate nicht zufrieden geben wollten.
In Frau Bielerts Besitz hat sich ein Konvolut des Nachlasses ihres Vaters erhalten. Es besteht aus einer großen Zahl von Entwurfszeichnungen aus der Zeit seiner Ausbildung, aber auch aus Einrichtungskizzen, Fotos und anderen Dokumenten. Die mehr als 900 Blätter wurden in den letzten Monaten von Manfred Bielert mit viel Aufwand bestimmt und akribisch verzeichnet und dann den Mitarbeitern des Stadtmuseums Kristin Gerth und Dr. Wagner bei einem Besuch in Potsdam zur weiteren Aufbewahrung als Dauerleihgabe übergeben. Wir hoffen, eine Auswahl aus den umfangreichen Unterlagen bei Gelegenheit im Rahmen einer Ausstellung zeigen zu können.
2. Aus dem Nachlass der Kammfabrik Carl Reininger
Frau Dr. Hannelore Bretschneider aus Dresden ist die Tochter des letzten Inhabers der Kammfabrik Reininger. Bei einem Besuch in Naumburg, der Stadt, in der sie Kindheit und Jugend verbracht hatte, überbrachte Dr. Bretschneider zusammen mit ihrem Mann und ihren beiden Enkeln einige hochinteressante Überbleibsel der Fabrik ihrer Eltern und Großeltern. Carl Reiniger war in den 1920er Jahren als Werkmeister von Bad Kreuznach nach Naumburg gekommen und hatte zunächst in der Kammfabrik Mahr gearbeitet, bevor er sich selbständig machte. Unter seiner und, in den letzten Jahren, unter Leitung seines Schwiegersohns Hermann Mokros produzierte der Betrieb bis ca. 1963 hauptsächlich Kämme aller Art, daneben aber auch verwandte Artikel wie Schuhlöffel, Brieföffner usw., zunächst aus Horn, dann aber auch aus Zelluloid und zuletzt aus Kunststoff.
In dem nun übergebenen Paket befinden sich zahlreiche Fotos, einige Werkzeuge und insbesondere Musterkartons, auf denen Produkte der Firma befestigt sind. Darüber hinaus enthält die Schenkung zahlreiche einzelne Kämme und andere Firmenprodukte. Da von den zahlreichen Kammfabrikanten der Stadt nur wenig die Zeitläufte überdauert hat, stellen die übergebenen Stücke eine besonders willkommene Ergänzung unserer stadtgeschichtlichen Sammlung dar.
3. Eine Käthe-Kruse-Puppe aus der guten Stube
Herr Dr. Wolfgang Fischer aus Taucha brachte uns eine sehr schöne Käthe-Kruse-Puppe für die Käthe-Kruse-Sammlung in Bad Kösen. Es ist noch nicht lange her, dass seine Frau verstorben ist und es war ihr letzter Wille, dass ihre Puppe, die sie als Kind 1940 von ihrem Vater geschenkt bekam und die sie ein Leben lang behütete, nach ihrem Tod in gute Hände gelangt. Herr Fischer, der mit seinen 90 Jahren auch nicht mehr der Jüngste ist, ließ sich von einem guten Freund extra aus seiner Heimatstadt nach Naumburg fahren, um die perfekt erhaltene Puppe dem Museum zu übergeben, die in Zukunft eine schöne und wertvolle Ergänzung unserer Sammlung sein wird und die auch einen Platz in unserer Bad Kösener Dauerausstellung erhalten wird, wenn diese erst einmal eine Neugestaltung erfährt.
4. Eine Käthe-Kruse-Puppe vom Dachboden
Ein etwas schwereres Schicksal hatte eine Puppe hinter sich, die von Frau Majta aus Leipzig bei uns abgegeben wurde. Es handelt sich dabei um ihre eigene Puppe, die sie als Kind kurz nach dem Krieg geschenkt bekam und die sie damals innig geliebt hatte. Die Puppe wurde 1946 produziert und im Jahr darauf von Frau Majtas Eltern erworben - was in den Notjahren nach dem Krieg nicht einfach war, da der Krusesche Betrieb aufgrund der Materialknappheit nur gegen Lieferung aller benötigten Stoffe fertigen und liefern konnte. Es gab daher in jenen Jahren nur wenige Kinder, die ein solches Geschenk erhielten und entsprechend stolz war die junge Besitzerin auf ihr neues Spielzeug.
Was ihr allerdings nicht gefiel: die Puppe kam mit gemalten Haaren, das Kind wollte aber Haare, die man kämmen konnte. Also wurde von einem Frisiersalon eine sehr gut gearbeitete Echthaarperücke für die Puppe angefertigt, die deren Kopf noch heute ziert.
Als sich aber nach Jahren der Kopf der Puppe unglücklicherweise löste und sich keine qualifizierte Reparaturmöglichkeit fand, wurde das Spielzeug weggelegt und dann über die Jahre vergessen.
Jahrzehnte verbrachte die Puppe anschließend auf einem Dachboden, bis sie vor kurzem wiedergefunden wurde. Man sieht ihr den Dachbodenaufenthalt natürlich an, sie ist etwas verschmutzt aber davon abgesehen ist auch sie in einem sehr guten Zustand - ein hochinteressantes Stück.



