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Landesausstellung 2011
2011Postkarte01

Der Naumburger Meister

Ab 29. Juni 2011 werden die Vereinigten Domstifter zu Merseburg und Naumburg und des Kollegiatstifts Zeitz in Kooperation mit der Stadt Naumburg eine groß Angelegte Ausstellung mit dem Titel "Der Naumburger Meister. Bildhauer und Architekt im Europa der Kathedralen" zeigen.  Neben dem Naumburger Dom und seinen Nebengebäuden werden das sog. "Schlösschen" am Naumburger Markt und das in unmittelbarer Nähe befindliche Stadtmuseum "Hohe Lilie" Schauplätze der Ausstellung sein. Eine Vielzahl von außerordentlichen Exponaten wird den Weg des Naumburger Meisters von den Ursprungsorten der französischen Kathedralgotik nach Mitteldeutschland nachzeichnen, wird nach Voraussetzungen und Folgen seines Wirkens forschen. Der Rezeptionsgeschichte widmet sich die letzte Station der Ausstellung im Stadtmuseum Hohe Lilie:

Vergegenwärtigungen

Der Naumburger Dom mit den Werken des Naumburger Meisters ist einmalig, zweifellos. Und doch wird man mit der gleichen Berechtigung feststellen dürfen, dass es so viele Naumburger Dome, soviele Utas und Ekkeharts und so viele Naumburger Meister gibt, wie sich Betrachter, Leser, Wissenschaftler finden, die sich mit ihnen befassen.

Seit gut 150 Jahren beschäftigt sich die Kunstgeschichte mit den „steinernen Wundern“ von Naumburg, mit vielfältigen, sich oft genug widersprechenden Ergebnissen. Die populäre Rezeption setzte, dann allerdings vehement, erst Ende der 1920er Jahre ein, stimuliert und getragen durch eine Flut von Publikationen und Reproduktionen, wobei den expressiven Aufnahmen des Naumburgers Walter Hege, eines Pioniers der Architektur- und Naturfotografie, eine besondere Rolle zukamen.

Eine Gemengelage prekärer Dichotomien (romanisch/gotisch, introvertiert/extrovertiert, deutsch/französisch etc.) lieferte den Nährboden für die Entstehung eines kaleidoskopischen Bilderreigens: der „Meister“ als wiedergeborener Pygmalion, als wanderndes Genie, als suchender Mystiker, als waldensischer Ketzer, zuletzt gar als schnödes Steinmetz-Kollektiv. Uta, die an Berühmtheit bald alle Naumburger Bildnisse in den Schatten stellen sollte, erschien einmal als traute Gattin, als unnahbare Herrin und als geheimnisvolle Diva. Wie die Naumburger Figuren zeitweise für die vermeintliche Überlegenheit deutschen Wesens über alles Welsche stehen mussten, erinnerten ihre traurigen Nachbildungen in Gips und Ton in westdeutschen Nachkriegsstuben an die barbarisierten Brüder und Schwestern im Osten, während der Naumburger Meister und seine Werke heute für die im Mittelalter schon einmal gelungene europäische Integration Zeugnis abzulegen scheinen.

Der dritte, durchaus kurzweilige Teil der Ausstellung im Stadtmuseum Hohe Lilie (einem Gebäude, das wie der Naumburger Westchor auf die Mitte des 13. Jahrhunderts zurückgeht) wird sich mit der spannenden Frage beschäftigen, wie sich solche Interpretations-Konstrukte bildeten und welche manifesten Ergebnisse sie zeitigten. Unter welchen Bedingungen wurden und werden die – modernen Lebenswelten ganz und gar fremden – Kunstwerke vergegenwärtigt? Wie formen sich die Bilder in den Köpfen der Betrachter? Was tragen die Werke bei? Was bringt der Betrachter mit? Und was verdankt sich dem „Zeitgeist”?

Besuchen Sie auch die offizielle Seite der Landesausstellung "Der Naumburger Meister"

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